Ist Vinylboden (gesundheits)schädlich?

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Nein, Vinylboden ist nicht gesundheitsschädlich, wenn Sie beim Kauf einige Punkte beachten. In der EU gefertigte Vinylböden unterliegen heute strengen Auflagen: Gesundheitsgefährdende Weichmacher (Phthalate) oder andere schädliche Zusatzstoffe sind verboten.

Polyvinylchlorid, kurz PVC, ist das Basismaterial für Vinylböden. Seitdem Vinylböden ohne giftige und gesundheitsschädliche Materialien hergestellt werden, werden die Böden immer beliebter und das Image hat sich stark gebessert.

Was hat PVC mit der Gesundheit zu tun?

Überall im Haus findet sich Kunststoff: Seien es Wasserrohre, Kunststoff-Fenster, Rollläden, EC- und Kreditkarten, Deko-Artikel (aus Kunststoff), Lebensmittelverpackungen und mehr. Vieles davon ist aus PVC. Das langlebige und robuste Material macht uns in vielen Bereichen das Leben leichter.

Wo kommt PVC her?

PVC gibt es schon ziemlich lange. Es wurde sogar gleich zweimal entdeckt. 1835 ließ der französische Chemiker Henri Victor Regnault zufällig einen Behälter mit Vinyl-Chlorid-Gas in der Sonne stehen. Es bildete sich ein weißes Pulver. Das gleiche passierte 1872 Eugen Baumann. Das Pulver ließ sich nur schwer bearbeiten. Erst 1913 reichte der deutsche Erfinder Heinrich August Klatte ein Patent auf PVC ein. Seitdem hat PVC eine Erfolgsgeschichte hingelegt und ist aus vielen Bereichen unseres Lebens nicht mehr wegzudenken.

Warum braucht PVC Weichmacher?

PVC ist an sich ein sehr harter und spröder Stoff, der sich nur schwer verarbeiten lässt. Daher werden ihm verschiedene Weichmacher zugefügt. Dann unterscheidet man Hart-PVC und Weich-PVC. So kann das Material zu allen möglichen Formen verarbeitet werden. Weichmacher haben allerdings keinen guten Ruf. Einige Stoffe stehen im Verdacht, den Körper negativ zu beeinflussen, wenn wir sie in erhöhten Mengen zu uns nehmen. Es gibt Weichmacher, die auf das Immunsystem wirken oder im Verdacht stehen, Krebs zu erregen, wenn sie in den menschlichen Organismus gelangen.

Erwachsene nehmen Weichmacher fast ausschließlich über die Nahrung auf. Das geschieht zum Großteil über verpacktes Essen. Denn viele Weichmacher sind löslich und gehen vom Plastik auf die Nahrungsmittel über. Wenn man sich abwechslungsreich und nicht nur von abgepackten Fertigmahlzeiten ernährt, sind die Mengen der aufgenommenen Weichmacher allerdings nicht bedenklich. Kleine Kinder nehmen Weichmacher außerdem über Gegenstände auf, die sie in den Mund nehmen und zum Teil auch über den Hausstaub.

Um das Risiko durch Weichmacher zu minimieren, hat die EU sehr strenge Verordnungen erlassen. Der Einsatz einiger Weichmacher wurde verboten. Außerdem gibt die EU vor, welche Stoffe wo in welchen Mengen eingesetzt werden dürfen. Das wird regelmäßig überprüft und aktualisiert. Gerade für Kinderspielzeug sind die Vorschriften besonders streng.

Weichmacher und Vinylboden: Wirklich gesundheitsschädlich?

Vinylböden bestehen aus PVC. Damit sie in schöne Bodendielen oder Fliesen verarbeitet werden können, braucht es Weichmacher. Allerdings gelten für Vinylböden die gleichen EU-Vorschriften wie für andere Produkte aus PVC. Daher verwenden die Hersteller nur zugelassene Weichmacher und halten die von der EU vorgeschriebenen Richtlinien und Höchstwerte ein. Sie können einen Vinylboden also bedenkenlos zuhause verlegen.

Die Hersteller entwickeln ihre Bodenbeläge ständig weiter und passen die Eigenschaften der Böden auf die sich ändernden Ansprüche der Anwender an. Seit die Hersteller unbedenkliche Vinylböden herstellen, werden diese immer beliebter. Ein guter Maßstab sind die vielen Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser, in denen Vinylboden verlegt ist. Allerdings nutzen diese meist Rollenware. Im privaten Bereich sind Dielen oder Fliesen verbreiteter.

Vinylboden ist also nicht gesundheitsschädlich. Möchten Sie aber lieber auf PVC in Ihrem Boden verzichten, haben Sie die Wahl zwischen natürlichen Belägen wie Kork, Linoleum und Parkett oder Sie wählen einen PVC-freien Designboden. Diese Böden haben meist die gleichen Vorteile wie klassisches Vinyl, bestehen aber nicht aus PVC.

Hintergrund:  Wenn von Vinylböden die Rede ist, sind oft auch andere Designböden gemeint, die nicht auf Vinylbasis hergestellt werden. Diese „PVC-freie Designböden“ sind sehr beliebt. Die Bezeichnung „PVC-freier Vinylboden“ ist verbreitet, aber technisch nicht korrekt, denn Vinylböden enthalten immer PVC. Viele Hersteller nutzen eigene Namenskreationen für PVC-freie Designböden,z. B. HARO Disano oder PARADOR Modular one. Außerdem gibt es Böden, die aus anderen Werkstoffen hergestellt werden, aber auch als gute Alternative zu Vinylböden gelten. Ein Beispiel sind die Böden der Serie Nadura von Meister, die aus einem Gemisch aus Holzfasern und mineralischen Stoffen hergestellt werden.

 

Wie sieht’s aus mit dem Umweltschutz?

Der Plastikverbrauch auf der Welt ist in aller Munde. Es wird sehr viel Plastik weggeschmissen und eine Menge landet an Stellen, wo es nicht hingehört, zum Beispiel im Meer.

Natürlich besteht Vinylboden aus Kunststoff. Allerdings ist es nicht mit Einwegflaschen, Strohhalmen oder Plastiktüten aus dem Supermarkt vergleichbar. Diese Konsumgüter werfen wir oft nach einmaligem Benutzen weg. Bei Vinylboden ist das anders. Denn Vinylboden ist sehr robust und langlebig. Dadurch haben Sie lange Freude daran und müssen ihn nicht alle paar Jahre austauschen.

Außerdem beziehen die Hersteller in ihre Produktionsprozesse immer stärker Umweltfragen mit ein. Sie optimieren die Prozesse stetig, so dass Ressourcen schonender und effektiver eingesetzt werden. Das kommt natürlich auch der Umwelt sehr zugute.

Rückblende:  Mit der Nachhaltigkeitsinitiative „Vinyl 2010“ hat die europäische PVC-Industrie den Startschuss zu besserer Umwelt- und gesundheitlicher Verträglichkeit von PVC gegeben, auch bei Bodenbelägen. Die PVC-Industrie erreichte alle gesteckten Ziele. Mit der Folgeinitiative „VinylPlus“ sind die Ziele bis 2020 noch höhergesteckt. Auch hier ist es das Ziel, die Umweltverträglichkeit der PVC-Produktion zu verbessern, die Recycling-Quoten weiter zu erhöhen und die Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten.

Die Entsorgung

Für Vinylboden spricht auch die Entsorgung, obwohl er aus Kunststoff ist. Vinylboden kann recycelt werden. Allerdings lässt er sich nicht über den Hausmüll entsorgen. Das liegt aber nicht an schädlichen Inhaltsstoffen von Vinylboden, sondern daran, dass der Belag sehr schwer und sperrig ist. Kleinere Reste und Zuschnitte passen in die Mülltonne, aber ganze Dielen oder der Belag eines ganzen Zimmers hat dort keinen Platz. In den meisten Kommunen sind Bodenbeläge auch vom Sperrmüll ausgeschlossen. Das gleiche gilt übrigens für Laminat oder Parkett. Daher müssen Sie alten Bodenbelag zur Mülldeponie oder zum Wertstoffhof bringen. Wer Müll zur Mülldeponie bringt, muss diesen in der Regel extra bezahlen. Da Vinylboden vergleichsweise schwer ist, kostet er mehr in der Entsorgung als zum Beispiel Laminat.

Wenn Sie der Umwelt zuliebe auf Kunststoff weitestgehend verzichten möchten, greifen Sie einfach zu natürlichen Bodenbelägen wie Parkett, Kork oder Linoleum.

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10 Kommentare

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Alle Kommentare (10)

  1. Hallo Herr Reichert,

    Herr Finch hat natürlich völlig recht. „Nadura“ ist ein eigenständiges Produkt der Marke Meister, und hat mit Vinyl- Design- und PVC-Böden überhaupt nichts zu tun.
    Dann wäre ja ein Fertigparkett ebenfalls ein PVC freier Vinylboden.
    „Nadura“ wird beim Hersteller auch nicht als Designboden angeboten.

    • Avatar Vera Sauermann vor 7 Monaten

      Hallo GTh,

      danke für diese Ergänzung.
      Sie haben Recht, dass Meister die Nadura-Böden nicht als Designboden vertreibt. Allerdings ist der Werkstoff „Nadura“ von Meister nicht so bekannt, wie zum Beispiel das Produkt „Parkett“. Deswegen nehmen wir ihn als PVC-freie Alternative mit in die Designböden auf. Es ist richtig, dass es sich bei Nadura-Böden nicht um Böden mit PVC-freiem Kunststoff handelt, sondern um einen anderen Werkstoff. Das haben wir im Beitrag noch einmal verdeutlicht.

      Viele Grüße
      Vera

  2. Kann ich einen Vinylboden bedenkenlos in ein Badezimmer verlegen ? LG.

    • Avatar Vera Sauermann vor 11 Monaten

      Hallo Evelyn,

      gesundlich bedenkenlos ist der Boden auf jeden Fall.
      Allerdings eignet sich nicht jeder Vinylboden für das Bad. Achten Sie darauf, dass der Boden feuchtraumgeeignet ist.
      Auußerdem empfehlen wir, den Vinylboden vollflächig zu verkleben, denn nur so können Sie ihn vollständig abdichten. Ist der Boden nicht richtig abgedichtet und nicht verklebt, kann Feuchtigkeit unter den Boden gelangen. Das führt langfristig zu Schimmel. Genaue Informationen finden Sie auch in unserem Beitrag https://www.casando.de/ratgeber/vinylboden-im-bad-und-in-der-kueche-verlegen/.

      Unsere Fachberater besprechen den Fall gern im Detail mit Ihnen unter 02266/4735610.
      Viele Grüße
      Vera Sauermann

  3. Ist der Eurowood/JAF Venylboden aus der EU und phthalatefrei?

    • Avatar Vera Sauermann vor 12 Monaten

      Hallo Tanja,

      leider können wir Ihre Frage nicht beantworten, da wir das Produkt nicht führen. Dazu kann höchstens der Hersteller eine Auskunft geben.
      Allerdings haben wir verschiedene PVC-freie Böden von HARO, MEISTER oder PARADOR im Sortiment: https://www.casando.de/holzboeden-designboeden-vinyl/pvc-freier-vinyl/
      Vielleicht ist da etwas Passendes für Sie dabei.

      Viele Grüße
      Vera Sauermann

  4. Avatar Finch vor 1 Jahr

    Meister Nadura zählt nicht zu den PVC freien Designböden.
    Aus dem Hause Meister kommen jedoch eine Vielzahl von PVC freier Böden.
    Bitte mal prüfen und korrigieren.
    Danke

    • Avatar Marcel Reichert vor 1 Jahr

      Hallo Finch,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Nadura ist nicht nur eine eigene Serie oder Kollektion, sondern ein eigener Werkstoff. Der Werkstoff Nadura enthält kein PVC.
      Die Bezeichnung PVC freier Vinylboden ist daher nicht falsch.

      Viele Grüße
      Marcel Reichert

  5. Avatar Helga Kreitmeir vor 2 Jahren

    Wir haben einen Viylboden im Schlafzimmer verlegt, er stinkt ganz schrecklich.

    Was kann ich machen?.

    • Avatar Vera Sauermann vor 2 Jahren

      Hallo Helga,

      Vinylboden riecht am Anfang oft etwas. Das liegt daran, dass es sich beim Bodenmaterial um Kunststoff handelt.
      Normalerweise verschwindet der Geruch aber relativ schnell, wenn Sie gut lüften.

      Zur Stärke des Geruchs können wir aus der Ferne leider nichts sagen: Zum einen unterscheiden sich Vinylböden manchmal bezüglich des Geruchs und zum anderen empfindet jeder Mensch Gerüche anders.

      Wenn der Geruch nach längerer Zeit und ausgiebigem Lüften nicht verschwindet, wenden Sie sich am besten an den Hersteller für Tipps, wie Sie den Geruch „loswerden“.

      Viele Grüße
      Vera