Hochwasser: Wie Sie jetzt vorgehen und welche Versicherung die Kosten übernimmt

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Starkregen und damit einhergehendes Hochwasser kann große Schäden an Gebäuden hinterlassen. Wenn das Hab und Gut beschädigt wird, lässt sich der ideelle Wert nicht wiederherstellen, aber in vielen Fällen kann zumindest der materielle Wert ersetzt werden. Lesen Sie in diesem Ratgeber, wie Sie im Fall von Hochwasser und damit verbundenen Schäden an Boden, Türen und Co. umgehen, damit Sie so schnell wie möglich das Geld von Ihrer Versicherung erhalten.

Erste Maßnahmen nach Hochwasser und Überflutung

Ist der erste Schock überwunden, beginnen Sie mit dem Aufräumen. Vollgelaufene Räume sollten Sie erst leerpumpen, wenn das Hochwasser zurückgegangen und der Grundwasserspiegel wieder gesunken ist. Sicherheit geht vor: Bei akuter Gefahr sollten Sie den Keller oder die Tiefgarage nicht betreten. Sind durch die Überschwemmung Schadstoffe wie Farben, Heizöl oder Pflanzenschutzmittel freigesetzt worden, müssen Sie die Feuerwehr informieren.

Sind die großen Wassermengen abgepumpt worden, entfernen Sie Wasser- und Schlammreste – gegebenenfalls mit einem Nass- und Trockensauger. Diesen können Sie in vielen Baumärkten mieten. Achten Sie beim Beseitigen von Schlamm und Wasser auf die passende Schutzbekleidung, um sich vor Keimen, Infektionskrankheiten, Ölresten und Ähnlichem zu schützen. Gummistiefel (am besten mit Stahlkappe und Wärmeschutzinnenschuh), Gummi- und Arbeitshandschuhe sowie gegebenenfalls eine Regenlatzhose sorgen für Ihren Schutz.

Ist das Wasser beseitigt, entfernen Sie wenn möglich Bodenbeläge und Verkleidungen. Danach kontrollieren Sie, ob Wasser eingedrungen ist. Außerdem sollten Sie beschädigte Bausubstanz überprüfen lassen, um Folgeschäden zu verhindern. Markieren Sie dafür die erreichten Wasserstände und dokumentieren Sie die Schäden mit Fotos.

Trocknen Sie betroffene Bereiche so schnell wie möglich. So verhindern Sie Bauschäden, Schimmel und anderen Schädlingsbefall. Benötigen Sie Trocknungsgeräte? Lesen Sie weiter unten in dem Beitrag, wer dafür die Kosten trägt.

Hinweis: Sprechen Sie am besten vor den Arbeiten mit Ihrer Versicherung: Sie hilft Ihnen bei der Suche nach Dienstleistern, die Sie bei den Aufräumarbeiten unterstützen können. Auch wenn Sie keine Dienstleister in Anspruch nehmen, empfiehlt es sich, Kontakt zur Versicherung aufzunehmen, um das genaue Vorgehen abzustimmen.

Es kann nicht immer ein Gutachter vor Ort sein, der den Schaden aufnimmt und die zu erwartenden Kosten kalkuliert. Dokumentieren Sie deshalb jeden Schritt der Aufräumarbeiten mit Fotos. Erstellen Sie außerdem eine Auflistung der beschädigten Räume und Gegenstände. Auch wenn Sie Dinge sofort entsorgen müssen, halten Sie diese auf Fotos fest, da Sie Ihrer Versicherung gegenüber in der Nachweispflicht sind. So gehen Sie sicher, dass die Versicherung den Schaden zahlt.

Anzeigepflicht bei der Versicherung

Haben Sie die Erstmaßnahmen ergriffen, wenden Sie sich an Ihre Versicherung. Welche Versicherung für den Schaden Ihres Bodens aufkommt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Wir haben für Sie zusammengefasst, wann die Wohngebäudeversicherung und wann die Hausratversicherung zuständig ist.

Wichtig ist hier, ob Elementarschäden wie Überschwemmungen durch Hochwasser in Ihrer Versicherungspolice mit abgesichert sind. Schauen Sie dafür in Ihrer Police nach oder kontaktieren Sie die zuständige Versicherung, wenn Sie unsicher sind.

Unterschied: Hausratversicherung und Wohngebäudeversicherung

Wohngebäudeversicherung: Die Wohngebäudeversicherung kommt für Kosten auf, die durch Schäden am Gebäude selbst entstehen. Das umfasst unter anderem das Mauerwerk oder die Dachsteine. Außerdem mit abgedeckt sind fest mit dem Gebäude verbundene Objekte wie beispielsweise verklebte Böden, Türen oder Fenster. Darüber hinaus sind auch bestimmte Nebengebäude abgesichert, wenn sie sich auf demselben Grundstück befinden. Wurden also auch das Gartenhaus, die Garage oder der Geräteschuppen in Mitleidenschaft gezogen, greift die Wohngebäudeversicherung. Sehr wichtig für Haus- und Wohnungseigentümer ist, dass die Versicherungssumme dem Wiederaufbauwert am Schadenstag entspricht.

Hausratversicherung: Die Hausratversicherung deckt Schäden an Ihrem Hausrat ab – also bewegliche Ver- und Gebrauchsgegenstände wie Einrichtungsgegenstände, Haushalts- und Sportgeräte, Elektrogeräte, Kleidung, Schmuck, Bargeld und mehr. Aber auch Bodenbeläge können in einigen Fällen durch die Hausratversicherung abgedeckt sein.

Eigentum: Der Boden ist beschädigt – welche Versicherung greift?

Müssen Sie Ihren Bodenbelag entfernen und erneuern, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wer für die Schadensregulierung zuständig ist:

  1. Ist Ihr Boden fest mit dem Gebäude verbunden bzw. verklebt?
    a. Wenden Sie sich an die Wohngebäudeversicherung.
  2. Ist der Boden schwimmend verlegt, gibt es zwei Möglichkeiten:
    a. Handelt es sich um den ersten bewohnbaren Boden*, greift die Wohngebäudeversicherung.
    b. Handelt es sich nicht um den ersten bewohnbaren Boden, kommt die Hausratversicherung auf.

*Info: Der erste bewohnbare Boden ist der Boden, der direkt auf dem Untergrund (Estrich) verlegt wurde. Zum Beispiel: Parkett-, Vinyl- oder Laminatboden auf Estrich.
Liegt zwischen dem Bodenbelag und dem Untergrund noch ein anderer Boden wie Fliesen oder Teppich, handelt es sich somit um den zweiten bewohnbaren Boden und es kommt zur Schadenregulierung durch die Hausratversicherung.

Mietwohnung: Schaden am Boden – wer zahlt?

Sollte Ihr Boden durch große Wassermengen Schaden davongetragen haben, melden Sie diesen bei dem Eigentümer des Hauses. Dieser muss den Schaden der Wohngebäudeversicherung melden, wenn festverklebte Böden oder der erste bewohnbare Bodenbelag beschädigt ist. Gehört der verlegte Boden Ihnen, ist Ihre Hausratversicherung zuständig.

Kombination Hausrat- und Wohngebäudeversicherung

Natürlich kann es auch vorkommen, dass sowohl Ihr selbstverlegter Boden als auch der darunterliegende Boden wie Teppich oder Fliesen durch das Wasser beschädigt wurden. In dem Fall müssen Sie den Schaden Ihrer Hausratversicherung melden und der Wohnungseigentümer informiert seine Wohngebäudeversicherung über den Schaden des darunterliegenden Bodens.

Info: Türen sind fest mit dem Gebäude verbunden – bei einem Wasserschaden an Türen ist also die Wohngebäudeversicherung zuständig.

Hochwasser: Welche Versicherung zahlt?

Entnehmen Sie der folgenden Grafik auf einen Blick, welche Versicherung für Ihren durch Hochwasser beschädigten Boden aufkommt:

Grafik - welche Versicherung zahlt?

Wie geht es weiter?

Nicht selten kommt ein Trocknungsgerät nach einem Hochwasserschaden zum Einsatz. Nachdem der Hauseigentümer den Schaden seiner Wohngebäudeversicherung gemeldet hat, wendet sich diese an Sanierungsexperten bezüglich Trocknungsmaßnahmen und lässt diese durchführen.

Neue Türen und Böden nach Hochwasser

Die zuständige Versicherung zahlt gegen Vorlage der Rechnung das Material. Das bedeutet, Sie beschaffen Ihre neuen Türen und Boden und leiten die Rechnung an Ihre Wohngebäude- oder Hausratversicherung weiter.

Möchten Sie die Montage und Verlegung von Türen und Böden selbst durchführen, zahlt Ihnen die Versicherung im Regelfall einen geringen Arbeitslohn. Lassen Sie die Arbeiten von einem Profi durchführen, zahlt die Versicherung auch die Rechnung des Verarbeiters.

Hausbrand: Welche Versicherung zahlt?

Neben Hochwasser gibt es auch andere Gefahrenquellen im Haus. Viele sind auf den ersten Blick kaum erkennbar. Täglich genutzte Elektronikgeräte wie Computer, Ladegeräte oder Stromsparlampen können einen Brand auslösen. Laut dem Gesamtverband der deutschen Versicherer (GDV) passieren allein in der Weihnachtszeit rund ein Drittel mehr Feuerschäden als in den übrigen Wintermonaten. Aber auch in den restlichen Monaten sollte das Risiko nicht unterschätzt werden. Immerhin werden jedes Jahr etwa 50.000 Feuerwehreinsätze allein bei Privathaushalten registriert.

Haben die Betroffenen eines Wohnungs- oder Hausbrand keine Versicherung, bleiben sie auf den Kosten sitzen. Um bei einem Brandschaden also bestens gerüstet zu sein, sollten Sie eine Hausrat- und eine Wohngebäudeversicherung abschließen. Erstere schützt die Einrichtungsgegenstände, Letztere die Immobilie selbst. Wenn Böden, Türen und Co. beschädigt wurden, gehen Sie wie oben im Beitrag beschrieben vor.

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Casando 2021-07-21

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