Eigenleistung planen – So geht’s!

Stellen Sie sich vor, Sie lassen ein schlüsselfertiges Haus bauen. Der ausführende Bauunternehmer hat alle Gewerke im Blick und im Griff. Die Zeitplanung und das Ineinandergreifen der verschiedenen Bauabschnitte sind mitentscheidend für einen effizienten Bau. Verzögerungen oder schlechte Arbeitsergebnisse einzelner gefährden die Rentabilität des gesamten Projektes. Wenn Sie nicht schlüsselfertig bauen, sondern selbst auch Hand anlegen möchten, müssen Sie das sorgfältig vorbereiten. Denn auch hier sind Verzögerungen teuer. Eigenleistung planen ist kein Hexenwerk, aber gehen Sie dabei mit Bedacht vor.

Handeln Sie wie ein Unternehmer

Wenn Sie sich dazu entscheiden, eines oder mehrere Gewerke oder Bauabschnitte in Eigenleistung auszuführen und zu verantworten, versetzen Sie sich in die Lage eines Bauunternehmers. Das Ziel muss sein, termingerecht, sorgfältig und effizient zu arbeiten. Was der Profit eines Bauunternehmers an einem Neubau ist, sind für Sie geringere Kosten und eine entspanntere Finanzierung.

In Ausbauhäusern hat man die Chance möglichst viel in Eigenleistung zu verrichten – Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

In Ausbauhäusern hat man die Chance möglichst viel in Eigenleistung zu verrichten – Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Wie viele Gewerke Sie selbst übernehmen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Manche Bauherren übernehmen selbst die Koordination aller Gewerke, andere beschäftigen einen Generalunternehmer, dem man nach Absprache Gewerke abnimmt und selbst ausführt.

Hersteller von Fertighäusern bieten oft ein so genanntes Ausbauhaus an. Sie errichten das Haus bis zu einem gewissen Punkt, ab dem der Bauherr übernimmt. Wie weit diese Ausbaustufe fortgeschritten ist, hängt vom Anbieter und individuellen Auftragsvereinbarungen ab. Auch die Baustufe „schlüsselfertig“ ist unterschiedlich definiert. Direkt einziehen, wie der Begriff es andeutet, kann man in schlüsselfertige Häuser jedenfalls nicht. Auch hier sind noch Arbeiten, wie z. B. das Bodenlegen, zu erledigen – sehr oft in Eigenleistung.

Drei Viertel aller privaten Bauherren erledigen Arbeiten in Eigenleistung¹. Erstellen Sie in Absprache mit Architekten, dem Bauunternehmer bzw. den Einzelhandwerkern einen realistischen Zeitplan. Kalkulieren Sie dabei Puffer für schlechtes Wetter, Krankheiten, Urlaubszeiten, Materialengpässe und unzuverlässige Helfer mit ein. Auch die Jahreszeiten sollten Sie berücksichtigen. Es empfiehlt sich, Außenarbeiten vor dem winterlichen Frost abzuschließen

angen Sie früh genug mit der Planung der Eigenleistung an: Dazu gehört auch das Beschaffen der Materialien und Werkzeuge

Fangen Sie früh genug mit der Planung der Eigenleistung an: Dazu gehört auch das Beschaffen der Materialien und Werkzeuge – Foto: M.Großmann / pixelio.de

Sichern Sie sich ab

Je mehr Sie in Eigenleistung übernehmen, desto mehr müssen Sie mit dem Bauunternehmer bzw. den jeweils folgenden Handwerksbetrieben kommunizieren. Halten Sie schriftlich fest, welche Voraussetzungen Sie schaffen müssen, damit man nach Ihren Arbeiten reibungslos weiterarbeiten kann. Sonst kann es zu Haftungsproblemen kommen, wenn mal etwas schief geht oder viel Zeit verloren geht. Halten Sie Ihre Partner auf dem Laufenden, falls es Verzögerungen gibt. So können die Unternehmen frühzeitig ihre Planung darauf einstellen. Wer viel in Eigenleistung erledigen möchte, der muss umso mehr koordinieren – eben handeln wie ein Bauunternehmer. Binden Sie den Architekten in Ihre Überlegungen ein – vor und während der Bauphase.

Jeder Heimwerker sollte sich bewusst machen, dass er mindestens doppelt so viel Zeit für die Arbeiten benötigt wie ein Spezialist. Sollten Sie noch wenig Erfahrung im handwerklichen Bereich haben, können die Arbeiten noch länger dauern. Das Einkaufen der Materialien sollten Sie dabei genauso planen und organisieren wie die Arbeiten selbst. Wenn Sie schon im Vorfeld Preise von verschiedenen Herstellern vergleichen, lässt sich auch bei den Materialien Geld sparen. Klären Sie zusätzlich, ob die einzelnen Werkstoffe zum benötigten Zeitpunkt verfügbar und später nachbestellbar sind, sodass es während der Bauphase nicht zu unnötigen Verzögerungen kommt.

Zeit ist Geld

Einer Beispielrechnung des Verbands Privater Bauherren zufolge können Sie bei einem etwa 140 Quadratmeter großen Reihenhaus inklusive Keller ungefähr 25.000 Euro sparen. Die Rechnung geht von Gesamtkosten von 275.000 Euro für dieses Haus aus. Kosten verändern sich über die Jahre, aber das Verhältnis bleibt: Um diese Menge zu sparen, muss der Bauherr gemeinsam mit seinen Helfern ca. 850 Stunden in Eigenleistung erbringen, also in Ein-Mann-Arbeitstagen gerechnet ungefähr ein halbes Jahr.²

Sie sollten daher von vornherein klären, welche Arbeit Ihnen am ehesten liegt und welche Sie mit Hilfe von Freunden und Familie innerhalb kürzester Zeit durchführen können. Wenn Sie so viel Zeit und Helfer nicht aufbringen können, konzentrieren Sie sich auf die Tätigkeiten, die leichter sind und im Bauplan eher am Ende liegen, z. B. Fußbodenverlegung und Malerarbeiten.

 

 

Quellen

1 – https://www.haus-bau-blog.de/hausbau-planung/hausbau-index-bauherren-statistik/
2 – https://www.vpb.de/presse-service-eigenleistung-hausbau.html  

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