Zukunftsweisende Wohnkonzepte – Wie wir morgen leben werden

Die UNO rechnet im Jahr 2050 mit einer Weltbevölkerung von knapp zehn Milliarden Menschen. Wo und wie diese Bevölkerungsmasse untergebracht wird, hängt vor allem davon ab, wie die Menschheit die drängenden Probleme Umweltverschmutzung, CO2-Ausstoß und Klimawandel bewältigen wird. Wird der ansteigende Meeresspiegel die verfügbare Fläche an dicht besiedelten Küstenstreifen noch weiter verringern? Und wohin weicht die Bevölkerung aus? Außerdem wird die Bevölkerung immer älter. Auch die Energieeffizienz wird bei den Megastädten der Zukunft zur Herausforderung. Denn die Ressourcen werden knapper. All das müssen zukunftsweisende Wohnkonzepte berücksichtigen.

Zukunft des Wohnens

Befragung zur Zukunft des Wohnens

Volumen statt Fläche

In den großen europäischen Städten ist Platz bereits seit dem Mittelalter Mangelware. Schon damals lösten die Menschen das Problem, indem sie in die Höhe bauten. Die Altstadt der schottischen Hauptstadt Edinburgh ist mit ihren gut erhaltenen mittelalterlichen Hochhäusern ein gutes Beispiel. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlaubten dann die Erfindung des Stahlskelettbaus und des elektrischen Aufzugs noch höhere Bauwerke. Von Hochhäusern ging die Entwicklung zu den Wolkenkratzern. Heute bauen wir Monumentalbauten mit Höhen von 500 Metern und mehr. Aber irgendwann ist auch hier die Grenze erreicht.

Das neue Prinzip der Stadtplaner lautet heute Verdichtung. Durch engere Bebauung innerhalb der städtischen Kernzonen werden bereits erschlossene Bauflächen besser ausgenutzt. Die Umwandlung von Baulücken und Brachland in zusätzliche Wohnflächen erspart den Ausbau der Infrastruktur. Straßen, Kanalisation, Strom und öffentlicher Nahverkehr sind schon vorhanden.

Die Natur als Vorbild für Technik

Lotuseffekt

Bildquelle: Lotuseffekt hydrophob © dima_pics / Fotolia.com

Aufgrund begrenzter Ressourcen benötigen wir neue Baumaterialien. Damit beschäftigt sich der Wissenschaftszweig der Bionik. Die Natur dient den Wissenschaftlern als Vorbild. Sie versuchen, die in der Natur herrschenden Mechanismen auf die Technik zu übertragen. Erste Erfolge erzielten sie mit dem technischen Pflanzenhalm. Die Konstruktion ist dem Bambus nachempfunden. Sie eignet sich in Zukunft hervorragend zum Bau von Tragwerkskonstruktionen.

Ein weiteres Beispiel ist die selbstreinigende Hausfassade. Dieser Innovation liegt der sogenannte Lotuseffekt zugrunde. An der Oberfläche von Lotus- und Kohlrabiblättern haftet Schmutz durch aufgewölbte Zellen nicht. In Zukunft werden sich Hausfassaden bei Regen automatisch selbst reinigen und sauber bleiben.

Von intelligenter Energieverteilung zum Haus ohne Stromanschluss

Der Energieverbrauch ist schon jetzt eine Herausforderung. Aber vor allem in den Ballungsgebieten wird sie in Zukunft noch stärker ansteigen. Fossile Brennstoffe werden immer knapper und der CO2-Ausstoß muss schnellstmöglich reduziert werden. Daher sind nachhaltige Energiekonzepte gefragt. Es gibt viele Konzepte und Ideen, die sich damit befassen – vor allem für Wohngebäude.

Momentan ist das Ziel die intelligente Energieverteilung. Intelligente Technikzentralen lösen die herkömmlichen Schaltkästen ab. Modernes Energiemanagement nutzt auch die Fortschritte in der Kommunikation: Hausbesitzer und Mieter behalten schon heute die volle Kontrolle über den Energieverbrauch, indem sämtliche Verbräuche über PC, Tablet oder Smartphone auch von unterwegs abgerufen werden können.

Das energieautarke Haus klingt nach Zukunftsmusik. Einige zukunftsweisende Wohnkonzepte wie dieses sind aber schon Realität. Im sächsischen Freiberg stehen zwei autarke Häuser. Sie kommen ganzjährig ohne Anschluss an das öffentliche Stromnetz aus. Möglich ist das durch Speicherung von Sonnenstrom und -wärme im Haus selbst. Dieses Konzept geht also noch einen Schritt weiter als das Plusenergiehaus. Bei dem muss zwar auch die Energiebilanz positiv sein, aber der Elektrizitätsbedarf ist nicht weiter definiert. Das Heizkonzept des energieautarken Hauses kombiniert Solarthermie mit Photovoltaik und verzichtet gänzlich auf eine Wärmepumpe. Das Haus erzeugt die zu verbrauchende Energie selbst, speichert sie und stellt sie dann zur Verfügung, wenn sie gebraucht wird.

PET-Flaschen und Papier als Baumaterial

Inseln im Südpazifik und viele Küstenregionen haben mit dem Anstieg des Meeresspiegels zu kämpfen. In Europa bedrohen immer wieder Hochwasserkatastrophen die Bevölkerung. Da sind zukunftsweisende Wohnkonzepte gefragt, die dem Problem die Stirn bieten. Einige davon gibt es in Holland: In Leeuwarden, Maasbommel oder im Amsterdamer Stadtteil Ijburg gibt es die Floating Homes, die schwimmenden Häuser. Sie sind direkt auf dem Wasser gebaut und steigen oder fallen mit Ebbe und Flut.

Bei Papier denkt man zuerst nicht ans Bauen. Ein Deutscher hatte aber die Idee, Papier als Baumaterial einzusetzen. Es soll in Armenvierteln großer lateinamerikanischer Städte für eine bessere Wohnsituation sorgen. Denn Papier ist günstig und mit der richtigen Behandlung auch stabil. Ein spezielles Verfahren sorgt für die nötige Festigkeit: Dabei werden Papierwände mit Kunststoff beschichtet und in eine Wabenform gepresst. Das Holz eines Baumes liefert genügend Material für den Bau eines 34 Quadratmeter großen Papierhauses mit Küche, Bad und zwei Schlafräumen. Die Kosten lägen bei rund 40.000 Euro. Das ist kann sich in Lateinamerika kaum jemand leisten. Aber der Preis könnte Regierungen bei der herrschenden Wohnungsnot zu Subventionen verleiten.

Siedlungsabfälle in den OECD

Ein anderer Deutscher kam nach einem Fest in Honduras auf die Idee, weggeworfene PET-Flaschen wiederzuverwenden. Er füllte sie mit Bauschutt, schichtete sie systematisch übereinander und vermauerte sie mit Mörtel. Das entstandenen Haus soll mittelstarke Erdbeben aushalten.

Netzwerkhäuser – Ein Leben lang in selben Haus wohnen

Die Altersstruktur verändert sich massiv. Der aktuell verfügbare Wohnraum muss daher in den kommenden Jahren angepasst werden. Alternative Wohnprojekte für ältere Menschen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Bevorzugte Art des Wohnens im Alter

Netzwerkhäuser sind eine mögliche Lösung: Ihr Grundriss ist mithilfe mobiler Wände flexibel gestaltbar. So müssen die Bewohner im Alter nicht umziehen. Außerdem können sie die Grundrisse schnell ändern und an ihre jeweilige Lebenssituation anpassen. Ziel ist es, das ganze Leben in einem Haus zu verbringen. Die Flexibilität des Wohnraums passt zu jedem Bedürfnis – vom Paar über die vielköpfige Familie mit Kindern bis hin zum älteren, allein stehenden Menschen.

Fazit

Menschen müssen auf die veränderten Lebens- und Umweltbedingungen reagieren. Schon jetzt existieren zahlreiche zukunftsweisende Wohnkonzepte, entweder auf dem Reißbrett oder in der Realität. Es wird sich zeigen, welche Ideen sich durchsetzen.

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Ihr Profi für Arbeitsplatten

Casando 2019-04-26

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