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Ratgeber

Wohnen im Alter:
Komfort ohne Barrieren

Die Ansprüche an die eigene Wohnumgebung verändern sich im Laufe des Lebens. Ein Zuhause für die ganze Familie muss andere Anforderungen erfüllen, als für ein Leben zu zweit nach dem Auszug der Kinder. Der klassische Grundriss für Einfamilienhäuser der 1960er bis 1980er sah neben dem Keller einen abgetrennten Ess- und Küchenbereich, Garderobe, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Gästetoilette im Erdgeschoss vor sowie Kinderzimmer, Bad und Gästezimmer im Obergeschoss und einen geräumigen Dachboden, zu dem nicht selten eine Holzleiter oder schmale Wendeltreppe führte.

Nach dem Auszug der Kinder wird diese Raumaufteilung häufig für viele Jahre beibehalten. Kinder und Enkelkinder sollen weiter zu Besuch kommen oder es fehlen Ideen, wie der „verwaiste“ Wohnraum auf die veränderte Lebenssituation angepasst werden kann. Erst wenn das ständige Treppensteigen zu beschwerlich wird, der Rollstuhl nicht durch die Zimmertüren passt oder sich Haustür- und Balkonschwellen zu gefährlichen Stolperfallen entwickeln, wird die seniorengerechte Wohnraum-Anpassung in Angriff genommen.
Viele Barrieren lassen sich mit relativ wenig Aufwand beseitigen. Wenn Sie jedoch aufgrund wachsender Beeinträchtigungen den gesamten Grundriss verändern oder umfassende Modernisierungsmaßnahmen durchführen möchten, können die Kosten schnell die eigenen Möglichkeiten übersteigen. Das gilt insbesondere, wenn Sie nicht mehr berufstätig sind und eine vergleichsweise niedrige Rente beziehen.

Auch der Zeitfaktor kann zu einem Problem werden. Wer nach einem Unfall vorübergehend oder dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat kaum Zeit für einen umfassenden behindertengerechten Umbau. Auch wenn der Partner plötzlich pflegebedürftig wird, bleibt für die sorgfältige Planung einer seniorengerechten Wohnung keine Zeit. Experten raten daher, schon in jüngeren Jahren bei der Renovierung oder Modernisierung von Eigenheim und Mietwohnung auf Barrierefreiheit zu achten. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern garantiert, dass Komfort, Ästhetik und individuelle Wohnwünsche angemessen berücksichtigt werden können.

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Inhaltsverzeichnis


1. Barrierefreies Bauen: Von der Sonderform zur Normalität

Deutschland wird älter und damit wächst die Nachfrage nach seniorengerechten Wohnungen. In weniger als 30 Jahren werden etwa ein Drittel der Deutschen über 60 Jahre und rund acht Millionen Menschen über 80 Jahre alt sein. Gleichzeitig wächst die Anzahl der Menschen, die bis ins hohe Alter selbstständig in den eigenen vier Wänden leben möchten. Zur Zeit, reicht der Bestand an altersgerechtem Wohnraum bei weitem nicht aus, um dies zu ermöglichen. Auf ein bis sechs Prozent schätzen Experten den Anteil der altersgerechten Wohnungen in Deutschland. Um den zukünftigen Bedarf zu decken, wird Barrierefreiheit daher bei Neubauten in vielen Bundesländern bereits vorgeschrieben.

Die bisherige DIN 18025-1+2 wurde dafür grundlegend überarbeitet und im September 2011 vom Deutschen Institut für Normung durch die neue DIN 18040 ersetzt. Die DIN 18040 besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil bezieht sich auf Vorgaben für „Öffentlich zugängliche Gebäude“ und der zweite Teil, die DIN 18040-2, auf „Barrierefreie Wohnungen“ und ihre uneingeschränkte Nutzung für Rollstuhlfahrer. Da die Einführung und Umsetzung Ländersache ist, ist in einigen Bundesländern nach wie vor die DIN 18025 gültig.
Als Planungsgrundlage für Architekten soll die neue DIN 18040-2 dazu beitragen, dass Wohnraum weitgehend von allen Menschen ohne fremde Hilfe genutzt werden kann. Neben der baulichen Barrierefreiheit werden dabei auch besondere Bedürfnisse von Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung, motorischen Einschränkungen, Mobilitätshilfen oder Familien mit Kindern berücksichtigt. Dahinter steht die Erkenntnis, dass Barrierefreiheit allen Menschen nützt. Hohe Stufen im Eingangsbereich, schmale Treppen oder enge Fahrstühle stellen junge Mütter mit Kinderwagen vor die gleichen Probleme wie Menschen, die auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen sind. Weitere Informationen zu „Zielgruppen für barrierefreien Wohnraum“ finden Sie hier.
tipp Gut zu wissen
Rechtlich sind die DIN-Normen in Deutschland Empfehlungen, die nicht zwingend angewendet werden müssen. Allerdings können die Länder in ihren Bauordnungen verpflichtende Maßstäbe festlegen, die auch die Einhaltung der Normen für Barrierefreiheit beinhalten können. In jedem Bundesland gelten daher unterschiedliche Regelungen.

2. Begriffsklärung: Alters- oder Behindertengerecht

Die Begriffe behindertengerecht, altengerecht, barrierearm und barrierefrei werden sehr unterschiedlich verwendet. Grundsätzlich gilt, dass barrierefreie Wohnungen als „Universalwohnungen“ bestimmte bauliche Mindestanforderungen erfüllen müssen, damit sie von möglichst allen Menschen mit oder ohne körperliche Einschränkungen bewohnt werden können. Sie sind so gestaltet, dass sie ein selbstständiges Leben ohne fremde Hilfe in jeder Lebensphase ermöglichen.

Behindertengerechte Wohnungen dagegen sind nicht nur barrierefrei, sondern auch auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Bewohner zugeschnitten. Der Begriff zielt daher nicht nur auf Umbaumaßnahmen ab, sondern auch auf den Einsatz von Hilfsmitteln zum Beispiel für Rollstuhlfahrer oder schwerstbehinderte Menschen. Die Kosten werden dabei unter anderem von den Rehabilitationsträgern und Sozialkassen übernommen. Experten schätzen, dass nur etwa zehn Prozent der Bevölkerung auf eine vollständige Barrierefreiheit angewiesen sind.

Bodendusche
„Altersgerecht“ ist kein geschützter Begriff und bedeutet nicht, dass eine Wohnung vollständig barrierefrei, sondern „barrierearm“ ist. Damit gemeint ist, dass eine altersgerechte Wohnung nicht den strengen DIN-Normen für Barrierefreiheit entsprechen muss. Sie sollte allerdings so gestaltet sein, dass sie älteren Menschen ein unabhängiges Leben bis ins hohe Alter ermöglicht. Dazu zählt auch, dass die Wohnung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist. Arztpraxen sollten ohne fremde Hilfe oder öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen und tägliche Einkäufe zu Fuß zu erledigen sein. Die Wohnräume sollten auch bei Bewegungseinschränkungen ungehindert zugänglich sein. Als altersgerecht gilt eine Wohnung, wenn sie
  • in einem mehrgeschossigen Haus über einen Aufzug erreichbar ist
  • weitgehend stufen- und schwellenlos ist
  • keine verwinkelten, engen Räume aufweist
  • Lichtschalter und Türgriffe eine Höhe von 85 cm Höhe haben und auch in Außnahmefällen und mit Ausschluss der Rollstuhlnutzung nicht höher als 105 cm angebracht werden
  • Fenster aufweist, die in Sitzhöhe den Blick nach draußen ermöglichen
  • Türen innerhalb von Wohnungen eine Mindestbreite von 80 cm haben und für Rollstuhlnutzung ≥ 90 cm
  • über eine bodengleiche Dusche verfügt
  • in Flur und Bad mit Handläufen und Haltegriffen ausgestattet ist
Die KfW beispielsweise definiert ihren Standard „Altersgerechtes Haus“ wie folgt: „In einem altersgerechten Haus oder einer altersgerechten Wohnung müssen Zugang, Wohn- und Schlafzimmer, und Bad barrierereduziert sein und bestimmte Bedienelemente vorhanden sein.“

3. Wohnraum altersgerecht gestalten

Ein Zuhause ist mehr als vier Wände und ein Dach über dem Kopf. Es ist immer auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Stils und der eigenen Lebensumstände. Mal dient sie als gemeinsames Heim für die ganze Familie, dann wieder steht das gesellige Beisammensein mit Freunden und Nachbarn im Mittelpunkt oder sie dient als privater Rückzugsort nach der Arbeit. Die meisten Menschen verändern daher ihren Wohnraum mehrmals im Leben und passen die Raumaufteilung ihren persönlichen Bedürfnissen an oder suchen sich eine neue Wohnumgebung. Mit dem Älterwerden sinkt in der Regel die Umzugsbereitschaft und mit dem Nachlassen der Kräfte entwickelt sich die eigene Wohnung immer mehr zum Lebensmittelpunkt. Die Wohnqualität hat daher im Alter weitaus größeren Einfluss auf die Lebensqualität als in jüngeren Jahren. Komfort und Sicherheit werden nicht nur wichtiger, sondern entscheiden auch darüber, wie lange ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden möglich ist.

Sturzrisiko mindern: Das können Sie selber tun
Die meisten Unfälle passieren im Haushalt. Hier fühlt man sich sicher und erledigt viele Hausarbeiten aus Gewohnheit, ohne an mögliche Gefahren zu denken. Aktuelle Studien zeigen, dass mit knapp 80 Prozent aller tödlichen Unfälle im Haushalt Senioren am stärksten betroffen sind. Als Hauptursache gelten Stürze, da der Gleichgewichtssinn mit den Jahren abnimmt, ältere Menschen häufig schlechter sehen oder ihre Kräfte überschätzen etwa beim Gardinen aufhängen oder Fenster putzen.
tippFeste Schuhe auch in der Wohnung
Wenn Sie in der Wohnung nur Hausschuhe tragen, achten Sie immer auf festen Halt. Das gilt insbesondere für den Hausputz. Pantoffeln sind zwar bequem, erhöhen aber das Risiko auszurutschen. Für den nächtlichen Gang ins Bad sind rutschfeste Socken geeignet.
Stürze können gerade im Alter dramatische Folgen haben, da viele Senioren – meist ohne es zu wissen - an Osteoporose leiden. Oberschenkelhalsbruch oder Verletzungen der Hüfte sind nicht nur schmerzhaft, sondern ziehen nicht selten auch lange Aufenthalte in Krankenhäusern oder Reha-Einrichtungen nach sich. Selbst wenn keine dauerhaften Einschränkungen die Folge sind, wächst nach einem Sturz die Unsicherheit und die Gefahr eines erneuten Sturzes steigt. Um erst gar nicht in diesen Teufelskreis zu geraten, sollte eine Wohnung möglichst früh altersgerecht umgestaltet werden. Nicht immer sind dafür größere Umbaumaßnahmen erforderlich. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Sie die Sturzgefahr bereits deutlich senken.

„Ordnung ist das halbe Leben“
Dieses Sprichwort gilt es besonders in Hinblick auf Gegenstände und Möbel zu beachten, die einen sicheren Gang durch die Wohnung behindern. Auch wenn es schwerfällt: Bitte entsorgen Sie nicht mehr genutzte Einrichtungsgegenstände. Beim Hausputz alle Arbeiten nacheinander durchführen und Geräte wie Besen, Staubsauger oder Putzeimer nach der Arbeit sofort in die Abstellkammer räumen. Wenn die Enkelkinder häufig zu Besuch kommen, könnten Sie eine Spielecke einrichten, damit Sie nicht über herumliegende Bauklötze, Spielfiguren oder Kinderbücher fallen.
Kabel, die quer durch das Zimmer führen, sind gefährliche Stolperfallen. Wenn Sie im Wohnzimmer mehrere Geräte wie Fernseher, HiFi-Anlage, Stehlampen oder Computer haben, achten Sie darauf, dass die Kabel entlang der Fußleisten liegen. Meist ist es auch möglich, ohne viel Aufwand die Kabel hinter die Fußleisten zu legen, damit man sie nicht sieht. Mehrere Kabel am Gerät am besten mit einem Kabelbinder zusammenbinden. Praktisch sind auch Kabelschächte, die es in jedem Baumarkt gibt. Kabelsalat bei PC und Telefon vermeiden Sie durch einen kabellosen WLAN-Anschluss.

Erhöhte Sturzgefahr geht auch von Teppichen und Fußläufern aus, wenn diese nicht rutschfest sind. Für Wohn- und Schlafzimmer ist daher ein fest verklebter Teppichboden sinnvoll, der keine Falten werfen darf. Fußläufer sollten ganz entfernt werden, da sie auf dem Teppichboden zwar nicht wegrutschen können, aber gefährliche Stolperfallen bilden. Im Badezimmer bieten rutschfeste Badematten Sicherheit. Duschmatten mit Saugnäpfen und Anti-Rutsch-Streifen für die Badewanne bieten auch bei eingeseiften Füßen sicheren Halt. Fällt das Ein- und Aussteigen schwer, kann ein einfacher Badewannenverkürzer mit Saugnäpfen Abhilfe schaffen.
tippÖl- und Seifenreste sofort abspülen
Ölbäder, Shampoo oder Duschgel hinterlassen Fettfilme, die die Rutschgefahr erhöhen. Nach dem Baden oder Duschen sollten Sie daher sofort mit heißem Wasser nachspülen.
Stürze sind häufig die Folge von Schwächeanfällen. Daher ist es ratsam darauf zu achten, dass alle Räume mit Sitzgelegenheiten ausgestattet sind. Das gilt auch für Flur und Dielen. Ein feststehender Hocker oder Stuhl ist hilfreich, um die Schuhe anzuziehen und sorgt für mehr Bequemlichkeit, wenn das Telefon im Flur fest installiert ist. Ein rutschfester Duschhocker vermindert das Unfallrisiko und eine stabile Sitzgelegenheit in der Küche schützt vor Überforderung durch zu langes Stehen. Wenn sich die Wohnung in einem mehrgeschossigen Haus befindet, kann das Treppensteigen sehr anstrengend werden. Hilfreich sind daher Sitzgelegenheiten in jeder Etage, um eine Überanstrengung zu vermeiden. Oft wird das Fenster zur wichtigsten Verbindung zur Außenwelt. Daher sollte sich auch hier eine bequeme Sitzgelegenheit befinden.
tippSitzmöbel im Wohnzimmer
Die meisten Sessel und Sofas sind zu niedrig oder zu weich. Für ältere Menschen kann das bedeuten, dass das Hinsetzen und Aufstehen mühsam ist. Hier empfehlen sich kleine Holzklötze, die unter dem Möbelstück befestigt werden, um die richtige Sitzhöhe zu erhalten.

4. Wohnräume flexibel nutzen

Vor größeren Umbaumaßnahmen ist es sinnvoll, verschiedene Optionen einzubeziehen. Die Grundrisse sollten daher so flexibel gestaltet sein, dass ein späterer Umbau ohne größeren Aufwand möglich ist. Das gilt für tragende Mauern ebenso wie für Elektrizität, Steckdosen und Wasseranschlüsse und ganz besonders für Treppen in den Keller oder die oberen Etagen bis zum Dachboden. Zukunftsorientierte Wohnraumplanung bedeutet, flexible Grundrisse zu entwickeln, bei denen möglichst mehrere Räume gleich groß angelegt sind und sich für die unterschiedlichste Nutzung eignen. Das gilt insbesondere für Küche, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, Gästezimmer und Bäder. Die Flächennutzung kann so nach Anzahl der Bewohner und gemäß den individuellen Ansprüchen in den verschiedenen Lebensphasenangepasst werden, ohne dass größere Umbauten erforderlich sind. Die Ansprüche an Komfort und Ästhetik ändern sich zwar grundsätzlich nicht mit dem Alter, unterliegen aber modischen Trends.

Beispiel Küche und Bad: Bis in die 1990er Jahre wurden Küchen als abgeschlossene Räume geplant, damit der Küchengeruch nicht durch alle Räume zieht. Heute hat das gemeinsame Kochen Event-Charakter und statt einer abgetrennten Küche bevorzugen viele Menschen eine Wohnküche, bei der das Wohnzimmer nur durch eine Theke abgetrennt ist. Ähnlich sieht es beim Badezimmer aus, das heute eher einem Wellnessbereich ähneln soll, aber damit auch viel Wohnfläche beansprucht.

Für eine zukunftsorientierte Planung kommt dem Erdgeschoss eine besondere Bedeutung zu, da bei vorübergehenden oder anhaltenden Mobilitätseinschränkungen die oberen Etagen nicht oder nur bedingt nutzbar sind. Falls im Erdgeschoss zum Beispiel nur eine nicht erweiterbare Gästetoilette geplant ist, könnte für den Fall einer Mobilitätseinschränkung ein anderer ebenerdiger Raum wie die Abstellkammer als barrierefreies Bad dienen.
Bei der Planung lassen sich folgende Punkte berücksichtigen:
  • Mindestens zwei Räume sollten einen möglichst ähnlichen Grundriss haben
  • Die Anzahl der tragenden Wände sollte so gering wie möglich sein
  • Bauen Sie Türen nur da, wo sie wirklich gebraucht werden
  • Planen Sie bei Türen und Durchgängen eine Breite von 90 cm
  • Bevorzugen Sie – wo möglich – Schiebetüren oder Türen, die nach außen aufgehen
  • Achten Sie darauf, dass alle Durchgänge barrierefrei sind
  • Planen Sie Treppen (insbesondere Wendeltreppen) so, dass ein Treppenlift nachträglich eingebaut werden kann
  • Berücksichtigen Sie bei Wasser- und Starkstromanschlüssen, Steckdosen und Heizung eine flexible Wohnraumnutzung
Exkurs: Einbau von Treppenliften
Der Einbau eines Treppenliftes erfordert eine sorgfältige Vorbereitung, da er mit sehr hohen Kosten verbunden ist. Informieren Sie sich im Vorfeld bei Ihrer Wohnberatungsstelle, ob der Einbau sinnvoll ist und ob es Möglichkeiten der finanziellen Förderung gibt. Die Kosten für den Einbau variieren erheblich. Je nach System können zwischen 4.000 bis 20.000 Euro anfallen. Überlegen Sie zunächst, ob der Treppenlift vor allem den Komfort erhöhen soll. Dies ist der Fall, wenn Ihnen das Treppensteigen schwerfällt. In diesem Fall wäre ein einfacher Sitzlift ausreichend. Hier ist im Vorfeld zu klären, ob die Wände stark genug sind. Bei manchen Treppen – vor allem bei schmalen Wendeltreppen – kann es auch sein, dass ein Einbau nicht möglich ist.

Wenn Sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, könnte ein Hublift oder Plattformlift geeignet sein. Diese sind in der Regel sehr viel teurer, da sie nicht auf Schienen die Treppe hinaufführen, sondern ähnlich wie ein Fahrstuhl konstruiert sind. In jedem Fall sollten Sie auf einer Vor-Ort-Beratung bestehen und sich ausreichend Zeit für die Entscheidung nehmen. Bedenken Sie dabei auch, welche weiteren Umbauten Sie vornehmen möchten und lassen Sie diese Überlegungen in die Beratung mit einfließen.

5. Familie Schulz plant für die Zukunft - Ein Beispiel aus der Praxis

Das Ehepaar Schulz möchte sein Eigenheim modernisieren und dabei auch für das Alter vorsorgen. Die beiden Kinder sind in den letzten Jahren erwachsen geworden und legen Wert auf ihre Privatsphäre. Für Frau Schulz dagegen wird das Treppensteigen langsam mühsam und Herr Schulz wünscht sich nach der Pensionierung ein eigenes Arbeitszimmer. Nach der bisherigen Raumaufteilung befinden sich Küche, Diele, Wohnzimmer und die Gästetoilette im Erdgeschoss. Das große Badezimmer mit Dusche und Badewanne liegt im ersten Stock ebenso wie Eltern- und Kinderschlafzimmer. Nach oben zum Dachboden und hinunter in den Keller führen jeweils schmale Wendeltreppen. Damit die Kinder mehr Freiraum haben, plant das Ehepaar Schulz, die Küche in eine Essküche zur gemeinsamen Nutzung umzuwandeln. Das Wohnzimmer wird unterteilt, so dass beide Kinder ein eigenes Zimmer im Erdgeschoss haben. Die Gästetoilette wird in ein Badezimmer mit bodengleicher Dusche umgewandelt. Herr und Frau Schulz möchten das erste Stockwerk jetzt für sich alleine nutzen. Eines der Kinderzimmer wird daher ein gemeinsames Fernseh- und Lesezimmer, das zweite in ein Arbeitszimmer für Herrn Schulz umgewandelt. Der Dachboden wird ausgebaut und erhält ein Gästezimmer mit einem angrenzenden Badezimmer.

Bei den Umbauarbeiten legt Familie Schulz Wert auf eine barrierearme Gestaltung der Räume. Der neu gestaltete Eingangsbereich misst eine Fläche von 150x150 cm und verfügt über großzügige Abstellflächen. Der Außenbereich ist gut beleuchtet und der Eingangsbereich schwellenfrei. Bis auf wenige Ausnahmen ersetzt das Ehepaar Schulz die Türen auf allen Etagen durch Schiebetüren. Das ist bequemer und spart Platz. Die schmale Wendeltreppe in den ersten Stock wird ersetzt durch eine breitere Treppe mit stabilen Handläufen auf beiden Seiten und einem rutschfesten Belag. Die neue Treppe, darauf hat das Ehepaar Schulz geachtet, ist auch für einen Treppenlift geeignet. Das Badezimmer im ersten Stock erhält eine bodengleiche Dusche und zwei unterfahrbare Waschbecken. Die alten Fliesen werden durch rutschfeste Fliesen ersetzt und die Wände mit stabilen Haltegriffen ausgestattet. Für das Schlafzimmer investieren sie in moderne höhenverstellbare Betten, die von drei Seiten im Raum zugänglich sind. Das Wichtigste ist jedoch die neue Telefonanlage. Sie besteht aus vier schnurlosen Telefonen, die Herr und Frau Schulz auf die verschiedenen Wohnräume (Flur, Schlafzimmer, Arbeits- und Fernsehzimmer) verteilt haben. Bei seinem Arbeitszimmer achtet Herr Schulz auch auf eine blendfreie Beleuchtung und ergonomische Möbel. Falls einer von ihnen in späteren Jahren auf Pflege angewiesen ist, möchte sie das Gästezimmer mit angrenzendem Badezimmer im obersten Geschoss einer Pflegekraft zur Verfügung stellen.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hat eine Broschüre "Wohnungsanpassung bei Demenz" - Informationen für Betroffene und ihre Angehörigen [Demenz-Service Heft 10, Kuratorium Deutsche Altershilfe (Hrsg.), 2012, Köln] im Rahmen der Landesinitiative veröffentlicht. Sie steht ebenfalls im PDF Format kostenlos zum Download zur Verfügung.
» Wohnungsanpassung bei Demenz

6. Typische Schwachstellen bei älteren Wohnbauten

  • Dünne Wände, bei denen das Anbringen von Haltegriffen problematisch ist
  • Einfachverglasung bei Fenstern und Balkontüren
  • Fehlende Isolierung und Wärmedämmung
  • verzogene Holzrahmen, die den Austausch von Türen behindern
  • abgenutzte Treppenstufen, die die Sturzgefahr erhöhen
  • unsichere Elektroinstallationen
  • Bestimmungen des Denkmalschutzes, die Umbaumaßnahmen einschränken
  • Einzelne DIN-Normen können nicht in Bestandswohnungen umgesetzt werden
  • Brandschutzregeln, die den Einbau von Treppenliften verteuern oder erschweren

7. Kostenlose Beratungsangebote nutzen

Sind die ersten Überlegungen für die neue Raumplanung abgeschlossen, ziehen Sie auf jeden Fall externe Berater hinzu. In jeder größeren Stadt gibt es mittlerweile Wohnberatungsstellen mit kostenfreien Beratungsangeboten für Mieter und Hausbesitzer. In der Regel können Sie Hausbesuche vereinbaren, bei denen die Experten den Bestand analysieren und praktische Hinweise für die Planung und konkrete Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen bieten. Einbezogen werden dabei individuelle Nutzungsbedürfnisse und baurechtliche Vorschriften (DIN-Norm), die in Bundesländern und Kommunen aktuell gültig sind. Wohnberatungen informieren darüber hinaus über bundesweite, regionale und kommunale Fördermöglichkeiten und haben in der Regel gute Kontakte zu Architekten, Statikern und Handwerkern, die über Erfahrung in der barrierefreien Wohnraumgestaltung verfügen. Neben grundsätzlichen Informationen zum altersgerechten und behindertengerechten Wohnen, erhalten Sie auf Wunsch weiterführende Informationen zur Änderung von Grundrissen, der elektrischen Ausstattung, dem Einbau von Treppenliften und barrierefreien Bädern oder zur Wohnungsanpassung bei Demenz gibt es landesweit Beratungsstellen. Beispiel NRW:
» Wohnen mit besonderen Bedürfnissen: Demenz

Bundesweite Beratungsangebote finden Sie hier:
» www.wegweiser-demenz.de
Zu beachten ist allerdings, dass viele Berater ehrenamtlich tätig sind und Beratungen daher zeitlich auf das Wichtigste begrenzt sind. Eine sorgfältige Vorbereitung und eine frühzeitige Terminabsprache sind in jedem Fall empfehlenswert. Für die weiteren Planungsschritte müssen bei größeren Umbaumaßnahmen häufig Architekten oder Statiker hinzugezogen werden. Das gilt auch bei einem nachträglichen Einbau breiterer Türen in tragende Wände, damit die Statik nicht leidet. Adressen erhalten Sie über die Wohnberatungsstellen oder die Architektenkammer.
» Übersicht Architektenkammern der Länder
tippFür altersgerechte und barrierefreie Wohnraum- anpassungen gibt es zahlreiche Fördermöglichkeiten. Informieren Sie sich im Vorfeld, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind. Das gilt auch für Zuschüsse zu Hilfsmitteln wie Badlifter oder intelligente Haustechnik.

8. Rundgang: Wohnräume barrierearm und altersgerecht gestalten

Küche

Um eine Küche altersgerecht zu gestalten, sollte eine Bewegungsfläche von 120 cm vor Wänden und Küchenmöbeln eingeplant werden. Für Rollstuhlfahrer muss die Fläche mindestens 150 cm betragen. Für die Arbeitsflächen, in die Spüle, Herd und Kühlschrank eingelassen werden, empfiehlt sich eine Höhe von 82 bis 85 cm sowie eine Breite von etwa 60 cm als reine Arbeitsfläche. Falls Herd oder Kühlschrank niedriger sind, schafft ein Unterschrank Abhilfe, der idealerweise mit einer Schublade ausgestattet ist. Falls Sie eine Gefrierkombination bevorzugen, sollten sich die Gefrierfächer unterhalb des Kühlschranks befinden, da sie seltener benutzt werden und so das lästige Bücken entfällt. Wichtig ist auch, dass möglichst viele Tätigkeiten im Sitzen ausgeübt werden können. Moderne Küchensysteme sind daher mit elektrischen Hebe- und Senksystemen ausgestattet, bei denen sich die Böden von Hängeschränken herunterfahren lassen und so einen einfachen Zugriff ermöglichen. Besonders komfortabel sind darüber hinaus Schubladen mit elektrischem Antrieb, die sich bereits bei leichtem Druck automatisch öffnen und schließen. Auch wer nicht in eine komplett neue Einbauküche investieren möchte, sollte darauf achten, dass die oberen Regale in Hängeschränken ohne Leiter zu erreichen sind.
küche

Flur

Um Wohnraum in Mietwohnungen zu sparen, sind Flur und Diele meist sehr schmal. Die Bewegungsfreiheit lässt sich erhöhen, indem Sie sich von allen überflüssigen Möbeln trennen, die einen freien Durchgang behindern. Die Garderobe sollte nicht hinter der Wohnungstür versteckt, sondern bequem erreichbar sein. Wenn das Telefon im Flur steht, achten Sie darauf, dass die Telefonkabel stolpersicher angebracht sind. Mehr Komfort bieten auch ein feststehender schmaler Tisch sowie ein Stuhl, damit längere Telefonate im Sitzen geführt werden können. Auch das An- und Ausziehen der Schuhe ist mit einem Stuhl sehr viel bequemer. Wenn die Hörfähigkeit eingeschränkt ist, könnten eine Lichtzeichenklingel oder ein Zweiton-Gong für die Türklingel hilfreich sein. Behindertengerecht ist ein Flur, wenn er eine Bewegungsfläche von mindestens 150 x 150 cm im Eingangsbereich und eine Breite von 120 cm aufweist.
flur

Bad und WC

Beim altersgerechten Umbau kommen Bad und WC eine besondere Bedeutung zu. Die tägliche Hygiene ist ausschlaggebend für das allgemeine Wohlbefinden. Auch bei der Installation von Sicherheitsmaßnahmen ist daher die Wahrung der Intimsphäre ein wichtiger Aspekt. Wenn die Körperpflege beschwerlicher wird, bieten sich heute sehr viele Möglichkeiten, ein Bad barrierefrei und komfortabel zu gestalten. Wenn der Grundriss verändert wird, weil zum Beispiel das Gästebad in ein größeres Badezimmer umgebaut wird, ist folgendes zu beachten: Der Wenderadius eines Rollstuhls beträgt bis zu 1,50 Meter. Die Wände sollten so stabil sein, dass auch zu einem späteren Zeitpunkt Haltegriffe und Sitzmöglichkeiten fest angebracht werden können. Ein Anschluss für die Waschmaschine empfiehlt sich, falls der Weg in den Waschkeller auf einmal zu beschwerlich wird. Wer Fördermöglichkeiten für den altersgerechten Umbau beantragen will, sollte zudem darauf achten, dass eine Nachrüstung mit Sicherheitssystemen möglich ist.
tippBei neuen Wänden ist es notwendig, Vorkehrungen
zur Nachrüstung mit Sicherheits-Systemen zu treffen, um Fördermittel beantragen zu können.
Die meisten Unfälle im Haushalt passieren im Bad, da hier die Sturzgefahr besonders hoch ist. Daher ist zunächst darauf zu achten, die Rutschgefahr gering zu halten. Hierfür eignen sich rutschhemmende Fliesen. Zu beachten ist, dass es unterschiedliche Rutschfestigkeits-Klassen gibt. Je höher die Klasse, desto aufwendiger ist das Reinigen der Fliesen. Rutschfeste Fliesen sollten daher nur direkt vor der Badewanne, der Dusche und unter dem Waschbecken gelegt werden. Mehr Sicherheit bieten darüber hinaus Badematten mit Noppen, damit sie nicht verrutschen können.

Als Standard durchgesetzt hat sich die bodengleiche Dusche. Sie bietet für jedes Alter mehr Komfort und erleichtert auch das Reinigen des Badezimmers. Die Abmessungen sollten berücksichtigen, dass zu einem späteren Zeitpunkt Sitzmöglichkeiten geboten werden können und die Dusche auch für Rollstuhlfahrer nutzbar ist. Möglich ist auch, bodenebene Duschen als System nachträglich einzubauen. Mehr Komfort und Sicherheit im Bad bieten Haltegriffe, die an verschiedenen Stellen angebracht werden können. Empfehlenswert sind multifunktionale kontrastreiche Haltegriffe, die im Winkel verlaufen. Beim Hochziehen und Hinsetzen wird der senkrechte Teil benötigt, zum Abstützen eignet sich eher der waagerechte Teil des Haltegriffs.
bad und wc

Wer auf eine Badewanne nicht verzichten möchte, sollte hier auf einen sicheren Einstieg achten. Neben Haltegriffen und Anti-Rutschvorlagen, sind Badewannenverkürzer sinnvoll. Nachträglich eingebaut werden können Wannenlifter und Haltestangen, die den Einstieg sicherer machen. Nach einem heißen Bad steigt die Gefahr eines Schwächeanfalls. Um die Sicherheit im Alter zu erhöhen, sollten Badezimmertüren immer nach außen aufgehen und von außen entriegelbar sein. Sinnvoll kann auch sein, die Tür durch eine Schiebetür zu ersetzen. Beim Waschbecken sollten Sie auf Beinfreiheit achten. Empfehlenswert sind auch hier unterfahrbare, flache Waschtische, die auch im Sitzen nutzbar sind. Entsprechend niedrig sollte der Spiegel hängen. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist oder unter einer Versteifung der Hüften leidet, weiß höhere Toilettensitze zu schätzen.
tippDer Umbau eines Bades kann einen längeren
Zeitraum in Anspruch nehmen. Für die Übergangszeit bieten Krankenkassen und Sanitärhäuser die Möglichkeit, Hilfsmittel wie Toilettenstuhl oder Rollstuhl kostengünstig zu leihen.

Wohn- und Schlafzimmer

Um die Sturzgefahr gering zu halten, achten Sie auf einen barrierefreien Durchgang vom Schlafzimmer zum Badezimmer und von hier aus über den Flur zur Eingangstür. Das Bett sollte so stehen, dass ein Zugang von drei Seiten möglich ist. Neben dem Bett befindet sich idealerweise eine kleine Kommode mit einer einfach zu bedienenden blendfreie Leselampe und ein rutschfester Stuhl für das komfortable Ein- und Auskleiden. Ein zusätzlicher Lichtschalter für das Raumlicht sowie ein Telefon, das auch im Liegen zu erreichen ist, erhöhen die Sicherheit. Falls Sie Ihr Telefon bisher im Flur hatten, ist der Einbau einer vollständigen Telefonanlage mit mehreren schnurlosen Geräten empfehlenswert. Für den Übergang kann auch ein zusätzliches Mobiltelefon mit Notruffunktion sinnvoll sein.
wohnzimmer und schlafzimmer

Balkon, Terrasse und Garten

Der Zugang zu Außenbereichen wird häufig durch Schwellen eingeschränkt, die sich nicht nur im Alter als gefährliche Stolperfallen entpuppen. Falls bei einem altersgerechten Umbau vollständige Barrierefreiheit nicht möglich ist, darf die Höhendifferenz nicht mehr als 2 cm betragen. Für den Zugang zum Garten können einfache Paletten eine kostengünstige Alternative zum Umbau darstellen. Da sich das Leben im Alter immer mehr auf die eigenen vier Wände konzentriert, bilden Balkon und Garten einen wichtigen Kontakt zur Außenwelt. Damit dieser auch im Rollstuhl möglich ist, sollten Balkon-Brüstungen entsprechend niedrig und transparent sein. Geländer in 90 cm Höhe bieten zusätzliche Sicherheit. Die Bewegungsfläche von Terrasse und Balkon sollte mindestens 150 cm x 150 cm betragen.
Balkon Terrase und Garten

Eingang und Treppen

Je nach Raumnutzung kann es sinnvoll sein, die Terrasse so anzulegen, dass bei einem späteren Umbau ein zweiter Hauseingang für Mieter oder Pflegepersonal angelegt werden kann. Achten Sie in jedem Fall auf einen ebenerdigen Eingang. Wenn Sie auf eine Gehhilfe oder einen Rollstuhl angewiesen sind, kann eine Rampe vorübergehend den Zugang erleichtern. Neben dem Eingang sollte daher auch ausreichend Abstellfläche für Mobilitätshilfen zur Verfügung stehen. Eine gute Beleuchtung des Hauseingangs sorgt für mehr Sicherheit. Optimal ist ein Bewegungsmelder, der sich automatisch einschaltet. Gut sichtbare - am besten beleuchtete - Hausnummern, und Klingeln sind wichtig, damit Taxifahrer und Notarzt sich schnell zurecht finden. Alle Eingangsbereiche sollten darüber hinaus mit rutschfesten Bodenbelägen und Fußmatten ausgestattet sein. Denken Sie beim altersgerechten Umbau Ihres Eigenheims daran, in allen Treppenbereichen ausreichend Platz zum Abstellen von Gehhilfen und Rollstühlen zu lassen. Neben einem rutschfesten Belag ist es sinnvoll, die Stufenvorderkanten mit farbigen Profilen auszustatten. Ein Handlauf an jeder Seite der Treppe schützt vor gefährlichen Stürzen. Bei der Planung größerer Umbauten empfiehlt es sich, den nachträglichen Einbau eines Treppenlifts zu berücksichtigen.
tippTreppenlifte nachträglich einbauen
Wenn Sie große Probleme mit dem Treppen steigen haben, ist vielleicht auch ein Treppenlift die richtige Lösung. Mehr Informationen finden Sie hier.
eingang und treppen

Türen und Fenster

Damit eine Wohnung barrierefrei ist, müssen die Türen eine Breite von mindestens 90 cm und eine Bewegungsfläche von 120 x 120 cm aufweisen. Nicht nur Rollstuhlfahrer werden darüber hinaus den Komfort von elektrisch unterstützten Schiebetüren zu schätzen wissen. Auch bei kleineren Wohnungen haben Schiebetüren den Vorteil, dass sie Raum sparen und eine flexible Raumnutzung ermöglichen. Für Fenster gilt eine Unterkante von maximal 60 cm als ideal, damit Sie auch im Sitzen aus dem Fenster schauen können. Auch die Fenstergriffe sollten sitzend erreichbar sein. Ideal sind Fernbedienungen, bei denen zusätzlich automatische Lüftungszeiten vorprogrammierbar sind. Ein Regensensor verhindert bei plötzlichen Gewittern das Eindringen von Regenwasser. Mehr Sicherheit bieten automatische Rollläden oder verriegelbare Griffe und Hebetürbeschläge, die von innen durch Knopfdruck verriegelt werden können.
Türen und Fenster

9. Sicherheit und Komfort mit intelligenter Haustechnik

Hausnotruf: Das Hausnotrufsystem besteht aus einer Basisstation, an die auch das normale Telefon angeschlossen werden kann. Dazu kommt ein Notrufsender, der als Halskette oder Armband getragen wird. Bei einem Sturz kann schnell Alarm ausgelöst werden, auch wenn Sie das Telefon nicht mehr erreichen können. Das Gerät stellt automatisch den Kontakt zur Notrufzentrale her, bei der im Vorfeld alle wichtigen Kontakt- und Patientendaten hinterlegt werden. Über eine Freisprechanlage können Sie direkt mit der Notrufzentrale sprechen. Falls das Sprechen nicht mehr möglich ist, kann die Notrufzentrale auch direkt den Rettungsdienst informieren. Empfehlenswert ist es daher immer auch, einen Haustürschlüssel in der Zentrale zu hinterlegen. Bei manchen Hausnotrufen können auch mindestens drei private Rufnummern eingegeben werden, die als erstes angerufen werden. Das gilt auch für Handys mit Notruftaste. Hausnotrufe werden sowohl von Wohlfahrtsverbänden den Johannitern, dem Malteser Hilfesdienst, Caritas, und Diakonie oder dem Deutschen Roten Kreuz als auch von privaten Anbietern angeboten. Weiterführende Informationen bietet die gemeinnützige Initiative-Hausnotruf.
tippInformieren Sie sich im Vorfeld unbedingt, ob Ihr Telekommunikationsanbieter diese Funktionen unterstützt. Gerade bei Handys kann es passieren, dass das Anspringen eines Anrufbeantworters die Weiterleitung des Notrufs verhindert.
home control

Intelligente Haussysteme: Unter dem Stichwort „Das intelligente Haus“ oder „Ambient Assisted Living“ wurden in den letzten Jahren vernetzte Systeme entwickelt, die mehr Sicherheit und Komfort für jedes Alter bieten. Intelligente Haustechnik bedeutet, dass alle Systeme von der Heizung über die automatische Steuerung von Licht und Rollläden bis hin zur Türsicherung vernetzt und an eine Steuerzentrale angeschlossen sind. Moderne Systeme lassen sich einfach über einen Bildschirm bedienen und garantieren so mehr Sicherheit und Wohnkomfort. Unter „Ambient Assistence Living“ werden Systeme zusammengefasst, die auf die besonderen Bedürfnisse älterer und behinderter Menschen ausgerichtet sind. Beispiele hier sind computerunterstützte Rollstühle und Rollatoren, Haushaltsroboter, automatische Herdüberwachung, telemedizinische Überwachung für ein unabhängiges Leben zu Hause oder mit Sensoren ausgestattete Teppiche, die bei Stürzen Notrufsignale aussenden.

pflege.de

10. Wertsteigerung durch Energieeffizienz

Seit dem Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung durch die EnEV 2009 müssen alle Hausbesitzer über einen Energieausweis verfügen, wenn sie ihr Haus vermieten oder verkaufen wollen. Der Energieausweis gibt Auskunft über den Energieverbrauch pro Quadratmeter Nutzfläche und Jahr. Mit den energetischen Informationen können Käufer und zukünftige Mieter abschätzen, wie hoch der Energieverbrauch ist und wie sich dieser auf die Nebenkostenabrechnung auswirkt. Darüber hinaus machen die Angaben deutlich, wo genau energetische Schwachstellen liegen, die eine spätere Modernisierung erforderlich machen.

Wertsteigerung durch Energieeffizienz
Seit 2013 können Vermieter bis zu elf Prozent der anfallenden Kosten für eine energetische Sanierung auf die Miete umschlagen, ohne dass Mieter im Gegenzug die Miete für den Zeitraum der Umbaumaßnahmen kürzen können. Experten raten daher, auch bei altersgerechten Umbaumaßnahmen Energieeffizienz direkt mit einzubeziehen, da sich damit eine nachweisbare Wertsteigerung des gesamten Gebäudes erlangen lässt. Maßnahmen für eine bessere Energieeffizienz sind moderne Heizungssysteme, Fußbodenheizung, Wärmedämmung oder Dreifachverglasung bei Fenstern. Auch bei altersgerechten oder behindertengerechten Umbaumaßnahmen sollte Energieeffizienz direkt mit einbezogen werden. Schließlich möchten Sie nicht kurze Zeit später wieder die Wände aufreißen, erneut ein Gerüst bezahlen oder die Fenster auswechseln.
tippRat von Experten einholen
Vor umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen sollten Sie in jedem Fall einen Experten hinzuziehen, der Ihnen geeignete Maßnahmen für Ihr Wohneigentum empfehlen kann.

11. Finanzierung und Fördermittel

Energieeffizienz, altersgerechte Wohnraumanpassungen und Umbauten für Rollstuhlfahrer werden zurzeit auf vielen Ebenen gefördert. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist mit zwei Programmen dabei: energieeffizient sanieren und altersgerecht umbauen. Der Vorteil: Die KfW-Förderung ist nicht an eine Einkommensgrenze gebunden, sondern steht grundsätzlich jedem Haus- und Wohnungseigentümer zu. Auch für die Förderung durch die KfW gelten Richtlinien und technische Mindestvoraussetzungen, die im „ Merkblatt Altersgerecht Umbauen“ und der „ Anlage zum Merkblatt – Altersgerecht umbauen (159)“ übersichtlich zusammen gefasst sind.

Günstige Kredite für den altersgerechten Umbau gibt es – kombinierbar mit Förderprogrammen – bis zu einer Höhe von 50.000 Euro, solange etwaige Kombinationen eine bestimmte Gesamtförderhöhe nicht überschreiten. Der Zins beträgt ein Prozent pro Jahr und ist für zehn Jahre festgelegt. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, einen Tilgungszuschuss zu beantragen.

tippDas KfW-Förderprogramm für den altersgerechten Umbau sollte ursprünglich 2012 auslaufen. Die KfW hat das Programm 2013 neu aufgelegt, sodass jetzt unbefristet eine Förderung möglich ist. » weitere Informationen


Die KfW vergibt die Kredite nicht direkt, sondern nur über andere Banken, die frei gewählt werden können. Die Bank prüft die Finanzierung und schließt mit Ihnen direkt den Kreditvertrag ab. Dafür haftet sie gegenüber der KfW mit der Rückzahlung. Ihr erster Ansprechpartner für altersgerechte oder barrierefreie Umbauten ist damit immer Ihre Hausbank.

tippAb dem 1. Juni 2013 können Haus- und Wohnungsbesitzer, die eine energetische Sanierung beginnen, nur noch Fördermittel für die Baubegleitung erhalten, wenn die projektbegleitenden Experten in der Datenbank energie-effizienz-experten.de registriert sind.
Wohnungsbau ist Ländersache
Weitere Fördermöglichkeiten für alters- oder behindertengerechte Anpassungen unter Einbezug von Hilfsmitteln bieten die einzelnen Bundesländer. Wie hoch die Zuschüsse oder Darlehen sind, ist dabei sehr unterschiedlich und kann von einfachen Darlehen bis zu Zuschüssen von bis zu 10.000 Euro pro Wohneinheit oder der Übernahme von bis zu 50 Prozent der Baukosten für Einzelmaßnahmen reichen. Aber Achtung: Jede Fördermaßnahme ist an unterschiedliche Voraussetzungen gebunden. Erkundigen Sie sich daher im Vorfeld bei einer Wohnberatungsstelle, welche DIN-Normen gelten, wer förderberechtigt ist (Mieter, Vermieter oder Wohnungsbaugesellschaft) und über wie viele Jahre eine Mindestnutzung vorgeschrieben ist.
» Übersicht über Förderregelungen der Länder



Weitere Finanzierungsmöglichkeiten
  • Unfallversicherung
  • Berufsgenossenschaft
  • Rentenversicherung
  • Krankenkasse
  • Pflegeversicherung
  • Sozialamt
  • Integrationsamt
  • Kommunale Förderung
tippAltersgerechte und Barrierefreie Umbauten fördert der Staat auch steuerlich. Informieren Sie sich dazu bei Ihrem Finanzamt oder der regionalen Wohnberatungsstelle.

12. Zielgruppen für barrierefreies Wohnen

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Bestandsaufnahme

Machen Sie zunächst einen Rundgang durch Ihre Wohnung und achten Sie dabei auf mögliche Stolperfallen. Überlegen Sie, ob Sie den Grundriss verändern möchten, indem Sie Zimmer zusammenlegen oder die Gästetoilette zu einem Badezimmer umbauen möchten. Was möchten Sie noch in Ihrer Wohnung verändern? Was können Sie selbst übernehmen? Überlegen Sie, ob zusätzliche Modernisierungsmaßnahmen wie Energieeffizienz sinnvoll sind.
tippNutzen Sie hierfür auch die Checklisten auf dieser Seite.

Beratungsangebote

Vereinbaren Sie frühzeitig einen Gesprächstermin bei einer Wohnberatungsstelle. Fragen Sie auch, ob ein Hausbesuch möglich ist. Klären Sie bereits bei der Terminvereinbarung, welche Unterlagen für das Gespräch benötigt werden. Halten Sie alle ausgefüllten Checklisten bereit und überlegen Sie, ob noch weitere Fragen offen sind. Bedenken Sie dabei auch, ob technische Hilfsmittel oder Sicherheitssysteme in die Beratung einbezogen werden sollen.

Finanzierung

Prüfen Sie zunächst, welche eigenen Finanzmittel Ihnen für den altersgerechten Umbau zur Verfügung stehen (Sparguthaben, Bausparverträge, Lebensversicherungen u.a.). Informieren Sie sich bereits zu Beginn der Planungsphase, welche Finanzierungsmöglichkeiten Bausparkassen und Banken bieten. Berücksichtigen Sie dabei auch, die von der Wohnberatungsstelle empfohlenen Fördermittel wie KfW-Kredit, kommunale Finanzierungsprogramme für die Wohnungsanpassung. Zuschüsse von Kranken- und Pflegekassen, Berufsgenossenschaften oder Ihrer privaten Unfallversicherung.

Rechtliche Hintergründe

Falls Sie für einzelne Umbauten eine Baugenehmigung benötigen, holen Sie diese frühzeitig ein. Fragen Sie zum Beispiel bei der Bauberatung Ihres Bauamtes oder bei der Stadt direkt nach oder ziehen Sie einen Architekten hinzu. Auch wenn Sie für einen barrierefreien Umbau die Zustimmung des Vermieters benötigen, holen Sie diese frühzeitig ein und lassen Sie sich das Einverständnis schriftlich bestätigen. Informieren Sie sich hierzu über die Wohnberatungsstelle oder den Mieterverein. Planen Sie dabei Zeiten von bis zu sechs Monaten ein.

Handwerker beauftragen

Adressen von Handwerksbetrieben, die sich auf altersgerechtes und barrierefreies Bauen spezialisiert haben, erhalten Sie bei Ihrer Wohnberatungsstelle. Holen Sie mindestens drei detaillierte Angebote ein, um die Preise vergleichen zu können. Schließen Sie einen Vertrag ab, bei dem alle Details inklusive Ablaufplan, Dauer und Zahlungsfristen aufgeführt sind. Lassen Sie den Vertrag gegebenenfalls von der Wohnberatungsstelle oder dem Mieterverein prüfen.

Abnahme

Prüfen Sie alle Arbeiten sorgfältig und erstellen sie ein Abnahmeprotokoll. Lassen Sie dieses handschriftlich unterschreiben. Im Protokoll sollten alle Mängel aufgelistet und Fristen für die Beseitigung festgehalten werden.